PPL Theorie
Luftrecht und Flugverkehrskontrollverfahren

Ausweichregeln, Mindesthöhen und Signale

Lektion 4 von 6, etwa 5 Minuten

Im Luftraum gibt es keine Fahrbahnen und keine Ampeln. Damit sich zwei Flugzeuge trotzdem sicher begegnen, legt SERA fest, wer ausweicht, wie tief du fliegen darfst und wie du Signale vom Boden liest. Die Grundidee: Wer Vorflugrecht hat, behält Kurs und Geschwindigkeit bei, damit der andere berechenbar ausweichen kann. Wer ausweichen muss, tut es früh und deutlich und fliegt nicht knapp über, unter oder vor dem anderen vorbei.

Wer weicht wem aus?

Zuerst zählt die Art des Luftfahrzeugs. Wer schlechter manövrieren kann, bekommt Vorrang:

  • Motorgetriebene Luftfahrzeuge schwerer als Luft – also auch dein Flugzeug – weichen Luftschiffen, Segelflugzeugen und Ballonen aus.
  • Luftschiffe weichen Segelflugzeugen und Ballonen aus, Segelflugzeuge weichen Ballonen aus.
  • Motorgetriebene Luftfahrzeuge weichen Luftfahrzeugen aus, die erkennbar andere Luftfahrzeuge oder Gegenstände schleppen.

Erst zwischen Luftfahrzeugen derselben Art entscheidet die Geometrie:

  • Kreuzende Kurse in etwa gleicher Höhe: Wer den anderen rechts von sich hat, weicht aus.
  • Gegenkurs: Beide ändern ihren Kurs nach rechts.
  • Überholen (Annäherung von hinten innerhalb von 70° zur Symmetrieebene des anderen): Der Überholende weicht nach rechts aus, egal ob er steigt, sinkt oder horizontal fliegt, und bleibt frei, bis er ganz vorbei ist.
  • Landung: Landende Luftfahrzeuge haben Vorrang. Von zwei landenden hat das tiefere Vorrang, darf aber nicht vor einem anderen im Endanflug einscheren oder es überholen.

Mindesthöhen und Halbkreisregel

Mindesthöhen sollen dir bei einem Notfall Raum für eine Landung lassen, ohne Menschen am Boden zu gefährden. Außer bei Start und Landung gilt: Über Städten, Ortschaften und Menschenansammlungen im Freien mindestens 1000 ft über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 600 m, sonst mindestens 500 ft über Grund oder Wasser bzw. über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 150 m.

Fliegst du im Reiseflug mehr als 3000 ft über Grund, wählst du die Höhe nach der Halbkreisregel. Maßgeblich ist der missweisende Kurs über Grund: 000° bis 179° ungerade Tausender plus 500 ft (3500, 5500, 7500 ft), 180° bis 359° gerade Tausender plus 500 ft (4500, 6500 ft). Die vollen Tausender bleiben dem IFR-Verkehr. So sind Flugzeuge auf Gegenkurs automatisch in verschiedenen Höhen unterwegs. Bei einem Kurs von 095° passt z. B. 5500 ft.

Am Flugplatz

Im Bereich eines Flugplatzes beobachtest du den übrigen Platzverkehr, fügst dich in die Platzrunde ein oder hältst dich von ihr fern. Beim Anflug zur Landung und nach dem Start fliegst du alle Kurven links herum, sofern nichts anderes angeordnet ist. Gestartet und gelandet wird gegen den Wind, wenn nicht Sicherheit, Pistenanordnung oder die Flugverkehrskontrolle etwas anderes verlangen.

PisteAbflugQuerabflugGegenanflugQueranflugEndanflug
Die Standard-Platzrunde ist eine Linksplatzrunde – alle Kurven gehen nach links, solange nichts anderes veröffentlicht oder angewiesen ist.

Licht- und Bodensignale

Fällt dein Funk aus, kann dich der Tower mit einer Signallampe lenken. Dieselbe Farbe bedeutet im Flug etwas anderes als am Boden:

Signalan Luftfahrzeug im Flugan Luftfahrzeug am Boden
grünes DauerlichtLandung freiStart frei
rotes Dauerlichtanderen ausweichen und weiter kreisenHalt
grüne Blinkzeichenzur Landung zurückkehrenRollen frei
rote BlinkzeichenFlugplatz unsicher, nicht landenLandefläche freimachen
weiße Blinkzeichenhier landen und zum Vorfeld rollenzum Ausgangspunkt auf dem Flugplatz zurückkehren

Auch die Signalfläche am Boden spricht zu dir: Ein rotes Quadrat mit gelbem Diagonalkreuz heißt „Landen verboten“, und zwar voraussichtlich für längere Zeit. Übrigens: „Nacht“ im Sinne der Vorschriften reicht vom Ende der bürgerlichen Abenddämmerung bis zum Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung, wenn der Sonnenmittelpunkt 6° unter dem Horizont steht.

Das Wichtigste

  • Kreuzende Kurse in etwa gleicher Höhe: Wer den anderen rechts von sich hat, weicht aus.
  • Rangfolge: Motorgetriebene Luftfahrzeuge schwerer als Luft weichen Luftschiffen, Segelflugzeugen und Ballonen aus; Luftschiffe weichen Segelflugzeugen und Ballonen aus; Segelflugzeuge weichen Ballonen aus; motorgetriebene Luftfahrzeuge weichen Schleppverbänden aus.
  • Gegenkurs: beide ändern den Kurs nach rechts. Überholen (Annäherung von hinten innerhalb 70° zur Symmetrieebene): der Überholende weicht nach rechts aus.
  • Landende Luftfahrzeuge haben Vorrang; von zwei landenden hat das tiefere Vorrang, darf aber nicht vor einem anderen im Endanflug einscheren.
  • Mindesthöhen: über Städten und Menschenansammlungen 1000 ft über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 600 m, sonst 500 ft über Grund oder Wasser bzw. über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 150 m.
  • Halbkreisregel VFR über 3000 ft GND: missweisender Kurs über Grund 000°–179° → ungerade Tausender + 500 ft, 180°–359° → gerade Tausender + 500 ft.
  • Lichtsignale im Flug: grünes Dauerlicht = Landung frei, rotes Dauerlicht = ausweichen und weiter kreisen, rote Blinkzeichen = Flugplatz unsicher, nicht landen.

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