Wirbelschleppen, Windscherung und Vereisung
Lektion 2 von 5, etwa 4 Minuten
Die gefährlichsten Dinge in der Luft sieht man oft nicht: die Wirbel hinter einem Verkehrsflugzeug, eine plötzliche Windänderung im Endanflug, eine dünne Reifschicht auf dem Flügel. Alle drei können ein kleines Flugzeug in Bodennähe innerhalb von Sekunden in eine kritische Lage bringen. Die gute Nachricht: Wer versteht, wie sie entstehen, kann ihnen meistens aus dem Weg gehen.
Wirbelschleppen: wie sie entstehen
Unter einem Flügel, der Auftrieb erzeugt, ist der Druck höher als über ihm. An den Flügelspitzen strömt deshalb Luft von unten nach oben um die Kante. Daraus entstehen hinter dem Flugzeug zwei gegenläufig drehende Luftwalzen, die Wirbelschleppen. Sie sind umso stärker, je schwerer das Flugzeug ist und je größer der Anstellwinkel – also bei schweren, langsamen Flugzeugen mit eingefahrenen Klappen („heavy, clean, slow“). Gerät ein Kleinflugzeug hinein, kann der Wirbel es stärker rollen, als die Querruder ausgleichen können.
Wie Wirbel wandern – und wie du sie meidest
- Wirbel entstehen ab dem Abheben und enden mit dem Aufsetzen.
- Sie sinken langsam unter die Flugbahn ab und treiben mit dem Wind.
- In Bodennähe breiten sie sich seitlich aus. Leichter Seitenwind kann einen Wirbel genau über der Piste festhalten – besonders gefährlich.
- Mit der Zeit werden sie schwächer: Abstand und Abwarten helfen.
Daraus folgen die Regeln: Landest du hinter einem großen Flugzeug, bleibst du über dessen Anflugweg und setzt hinter dessen Aufsetzpunkt auf. Startest du hinter einem, hebst du vor dessen Abhebepunkt ab und steigst über dessen Flugweg.
Windscherung und Microbursts
Windscherung ist eine Änderung von Windrichtung oder Windgeschwindigkeit auf kurzer Strecke. Entscheidend ist die Trägheit: Das Flugzeug behält zunächst seine Geschwindigkeit über Grund. Ändert sich der Wind schlagartig, ändert sich deshalb die Fahrt gegenüber der Luft – und mit ihr der Auftrieb.
Besonders tückisch sind Microbursts, kräftige Fallböen unter Gewitter- und Schauerwolken. Im Anflug spürst du zuerst zunehmenden Gegenwind (das Flugzeug steigt), dann einen starken Abwind und schließlich Rückenwind – Fahrt- und Höhenverlust kurz über dem Boden. Gewitter meidest du deshalb großräumig.
Vereisung: schon Reif ist zu viel
Eis, Schnee und Reif auf Flügeln und Leitwerk entfernst du vor dem Start vollständig. Schon eine dünne Reifschicht raut die Oberfläche auf: Die Strömung reißt früher ab, der Auftrieb sinkt, der Widerstand steigt, die Überziehgeschwindigkeit nimmt zu. Der Fahrtwind bläst Reif beim Startlauf nicht zuverlässig weg. Im Flug droht Eisansatz, wenn du bei Temperaturen um oder unter 0 °C durch Wolken oder Niederschlag fliegst – ein weiterer Grund, als VFR-Pilot:in Abstand von Wolken zu halten.
Das Wichtigste
- Wirbelschleppen sind am stärksten bei schweren, langsamen Flugzeugen mit eingefahrenen Klappen („heavy, clean, slow“).
- Wirbel entstehen ab dem Abheben und enden mit dem Aufsetzen; sie sinken ab, treiben mit dem Wind und breiten sich in Bodennähe seitlich aus.
- Landen hinter einem großen Flugzeug: über dessen Anflugweg bleiben und hinter dessen Aufsetzpunkt aufsetzen. Starten: vor dessen Abhebepunkt abheben und über dessen Flugweg steigen.
- Leichter Seitenwind kann einen Wirbel über der Piste festhalten – besonders gefährlich.
- Windscherung im Anflug: abnehmender Gegenwind → Fahrt- und Höhenverlust; zunehmender Gegenwind → Flugzeug steigt über den Gleitweg.
- Gewitter und Fallböen (Microbursts) großräumig meiden.
- Eis, Schnee und Reif vor dem Start vollständig entfernen – schon dünner Reif verringert den Auftrieb und erhöht die Überziehgeschwindigkeit.
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