Winddreieck und Koppelnavigation
Lektion 4 von 6, etwa 5 Minuten
Ein Flugzeug fliegt in einer Luftmasse, die sich selbst bewegt – wie ein Boot in einer Strömung. Fliegst du bei 20 kt Wind genau von der Seite eine Stunde lang stur deinen Kartenkurs, bist du am Ende rund 20 NM neben der Kurslinie. Deshalb berechnest du vor dem Flug Vorhaltewinkel und Grundgeschwindigkeit und korrigierst im Flug Ablagen mit einfachen Faustregeln.
Das Winddreieck
- Luftvektor: rechtweisender Steuerkurs (rwSK) und wahre Eigengeschwindigkeit (TAS) – wohin die Nase zeigt und wie schnell du durch die Luft fliegst.
- Windvektor: Richtung, aus der der Wind kommt, und Windgeschwindigkeit.
- Grundvektor: rechtweisender Kurs (rwK) und Grundgeschwindigkeit (GS) – was über dem Boden tatsächlich passiert.
Der Winkel zwischen rwK und rwSK ist der Luvwinkel (WCA): rwSK = rwK + WCA. Kommt der Wind von rechts, hältst du nach rechts vor (WCA positiv), kommt er von links, nach links (WCA negativ). Weil die Kartenkurse rechtweisend sind, brauchst du auch den Wind rechtweisend. Den liefern METAR und TAF. Turm und ATIS geben den Wind dagegen missweisend an, passend zur Pistenrichtung.
Wind zerlegen und Luvwinkel schätzen
Der Windwinkel ist der Winkel zwischen Windrichtung und Kurs. Seitenwind = Wind × sin(Windwinkel), Gegenwind = Wind × cos(Windwinkel). Den Luvwinkel schätzt du mit WCA ≈ Seitenwind × 60 ÷ TAS – dasselbe Prinzip wie bei der 1:60-Regel unten. Am größten ist er, wenn der Wind genau quer kommt: Windgeschwindigkeit × 60 ÷ TAS. Die GS ist ungefähr TAS minus Gegenwind bzw. plus Rückenwind; reiner Seitenwind kostet nur wenig GS.
| Windwinkel | Seitenwindanteil | Gegenwindanteil |
|---|---|---|
| 0° | 0 % | 100 % |
| 30° | 50 % | 87 % |
| 45° | 71 % | 71 % |
| 60° | 87 % | 50 % |
| 90° | 100 % | 0 % |
Koppelnavigation und 1:60-Regel
Bei der Koppelnavigation bestimmst du den Standort aus Kurs, Grundgeschwindigkeit und Zeit: Strecke = GS × Zeit, Zeit = Strecke ÷ GS. Erreichst du einen Kontrollpunkt später als geplant, ist die GS kleiner als gedacht – dann rechnest du Ankunftszeit und Kraftstoff neu.
Liegst du neben der Kurslinie, hilft die 1:60-Regel: 1 NM Ablage auf 60 NM Strecke entspricht etwa 1° Kursfehler. Kursfehler (°) = Ablage × 60 ÷ geflogene Strecke. Korrigierst du nur um diesen Winkel, fliegst du parallel zur Kurslinie weiter. Um das Ziel direkt zu erreichen, kommt der Schließwinkel dazu: Ablage × 60 ÷ Reststrecke.
Das Wichtigste
- Winddreieck aus drei Vektoren: Luftvektor (rwSK, TAS), Windvektor (Richtung, aus der der Wind kommt, und Geschwindigkeit) und Grundvektor (rwK, GS).
- rwSK = rwK + Luvwinkel (WCA); Wind von rechts → nach rechts vorhalten (WCA positiv), Wind von links → nach links (WCA negativ).
- Windrichtungen in METAR und TAF sind rechtweisend, Windangaben von Turm und ATIS missweisend.
- Faustformel Luvwinkel: WCA ≈ Seitenwindkomponente × 60 ÷ TAS; der größtmögliche Luvwinkel (Wind genau quer) ist Windgeschwindigkeit × 60 ÷ TAS.
- Seitenwind = Wind × sin(Windwinkel), Gegenwind = Wind × cos(Windwinkel); sin 30° = 0,5, sin 45° ≈ 0,71, sin 60° ≈ 0,87.
- Flugzeit = Strecke ÷ GS; Strecke = GS × Zeit.
- 1:60-Regel: Kursfehler (°) = Ablage (NM) × 60 ÷ geflogene Strecke (NM). Korrektur direkt zum Ziel = Kursfehler + Ablage × 60 ÷ Reststrecke.
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