Sehen & optische Täuschungen
Lektion 2 von 5, etwa 4 Minuten
Im Sichtflug ist dein Auge das wichtigste Instrument: Damit erkennst du anderen Verkehr, Gelände und die Piste. Es hat aber eingebaute Schwächen. Wer sie kennt, sucht den Luftraum gezielter ab und lässt sich im Anflug nicht täuschen.
Zapfen, Stäbchen und der blinde Fleck
Auf der Netzhaut sitzen zwei Arten von Sinneszellen:
| Merkmal | Zapfen | Stäbchen |
|---|---|---|
| Ort | vor allem in der Netzhautgrube (Fovea) | in der Netzhautperipherie, nicht in der Fovea |
| Aufgabe | scharfes Sehen und Farbsehen | Hell-Dunkel-Sehen, sehr lichtempfindlich |
| Einsatz | bei Tag | bei Nacht, keine Farben |
Der blinde Fleck ist die Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt; dort gibt es keine Sinneszellen. Mit beiden Augen gleicht das Gehirn die Lücke aus. Verdeckt aber eine Strebe oder ein Fensterrahmen die Sicht eines Auges, kann ein Flugzeug im blinden Fleck des anderen verschwinden. Deshalb: Kopf bewegen.
Sehen bei Nacht
Die volle Dunkeladaptation dauert etwa 30 Minuten, helles Licht macht sie in Sekunden zunichte. Halte die Cockpitbeleuchtung deshalb so schwach wie möglich. Weil in der Fovea keine Stäbchen sitzen, siehst du ein schwach leuchtendes Objekt besser, wenn du knapp daneben schaust. Fixierst du dagegen einen einzelnen Lichtpunkt im Dunkeln, scheint er nach einigen Sekunden zu wandern (Autokinese) – halte den Blick also in Bewegung. Schon ab etwa 5000 ft lässt das Nachtsehen durch den sinkenden Sauerstoffpartialdruck nach.
Den Luftraum richtig absuchen
Scharf siehst du nur in einem kleinen zentralen Bereich. Suche den Himmel deshalb in kleinen Sektoren von etwa 10° ab und verweile jeweils kurz, damit das Auge scharfstellen kann. Ein schnelles Schwenken über den Horizont zeigt dir fast nichts. Bei strukturlosem Himmel, Dunst oder über Wasser stellt sich das Auge ohne Anhaltspunkt auf etwa 1–2 m scharf (Leerfeldmyopie). Fokussiere zwischendurch bewusst auf ferne Wolken, Gelände oder den Horizont.
Ein Flugzeug auf Kollisionskurs bewegt sich in deinem Blickfeld nicht: Es bleibt an derselben Stelle der Windschutzscheibe und wird nur größer – lange kaum merklich, kurz vor dem Zusammentreffen sehr schnell. Gerade das Objekt, das stillzustehen scheint, ist gefährlich.
Täuschungen im Anflug
Dein Gehirn hat gelernt, wie die Piste deines Heimatplatzes aus der richtigen Anflughöhe aussieht. Weicht eine Piste davon ab, entsteht ein falscher Eindruck:
| Piste | Eindruck | Gefahr |
|---|---|---|
| ansteigend oder schmal | zu hoch | zu tiefer, flacher Anflug, Aufsetzen vor der Schwelle |
| abfallend oder breit | zu tief | zu hoher Anflug, langes Aufsetzen |
Gegenmittel: eine Gleitwinkelbefeuerung wie das PAPI nutzen und die Höhe gegen die Entfernung prüfen – bei einem 3°-Anflug sind das rund 300 ft pro NM.
Das Wichtigste
- Zapfen (vor allem in der Netzhautgrube, Fovea): scharfes Sehen und Farbsehen bei Tag. Stäbchen (Netzhautperipherie): Hell-Dunkel-Sehen bei Nacht, keine Farben.
- Blinder Fleck: Austrittsstelle des Sehnervs ohne Sinneszellen – durch beidäugiges Sehen und Kopfbewegungen ausgleichen.
- Die Dunkeladaptation dauert etwa 30 Minuten; helles Licht hebt sie in Sekunden wieder auf.
- Nachts nicht direkt auf ein schwach beleuchtetes Objekt schauen, sondern leicht daneben – in der Fovea gibt es keine Stäbchen.
- Luftraumbeobachtung: den Himmel in kleinen Sektoren absuchen und jeweils kurz verweilen. Bei strukturlosem Himmel stellt sich das Auge auf kurze Entfernung ein (Leerfeldmyopie).
- Ein Flugzeug auf Kollisionskurs bleibt an derselben Stelle der Windschutzscheibe und wird erst kurz vor dem Zusammenstoß schnell größer.
- Anflugtäuschungen: ansteigende oder schmale Piste → Gefühl, zu hoch zu sein → Gefahr eines zu tiefen Anflugs. Abfallende oder breite Piste → Gefühl, zu tief zu sein → zu hoher Anflug.
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