Atmung, Hypoxie & Kohlenmonoxid
Lektion 1 von 5, etwa 4 Minuten
Du fliegst an einem klaren Sommertag in 12 000 ft über die Alpen, fühlst dich hervorragend und bist bester Laune. Genau das kann das erste Zeichen von Sauerstoffmangel sein. Hypoxie, Hyperventilation und Kohlenmonoxidvergiftung fühlen sich teils ähnlich an, haben aber ganz unterschiedliche Ursachen und Gegenmaßnahmen. Du musst sie auseinanderhalten können.
Warum in der Höhe weniger Sauerstoff ankommt
Der Sauerstoffanteil der Luft beträgt in jeder Höhe etwa 21 %. Was sich ändert, ist der Gesamtdruck – und damit der Sauerstoffpartialdruck, also der Teil des Drucks, den der Sauerstoff beisteuert. In der Lunge wandert Sauerstoff ins Blut, weil sein Partialdruck in den Lungenbläschen höher ist als im Blut. Wird dieser Druckunterschied kleiner, geht weniger Sauerstoff über.
Hypoxie: der schleichende Gegner
Hypoxie beginnt unauffällig. Typische Anzeichen sind:
- Euphorie und Selbstüberschätzung
- nachlassende Konzentration und Urteilsfähigkeit, verlangsamtes Denken
- Kopfschmerz und Müdigkeit
- Blaufärbung von Lippen und Fingernägeln
- schlechteres Nachtsehen – schon ab etwa 5000 ft
Tückisch ist, dass gerade die Fähigkeit, den eigenen Zustand kritisch zu beurteilen, früh verloren geht. Deshalb verlässt man sich nicht auf das Gefühl, sondern auf feste Regeln: Nach Part-NCO wird Zusatzsauerstoff verwendet, wenn die Kabinendruckhöhe länger als 30 Minuten über 10 000 ft liegt, und immer über 13 000 ft. Bei Verdacht auf Hypoxie: Sauerstoff nehmen und sinken.
Hyperventilation: zu viel des Guten
Unter Stress oder Angst atmet man oft unbewusst zu schnell und zu tief. Dabei wird zu viel Kohlendioxid (CO₂) abgeatmet. Die Folgen sind Kribbeln in den Fingern und um den Mund, Schwindel, Benommenheit und Muskelverkrampfungen. Das kann in jeder Höhe passieren, auch in der Platzrunde. Gegenmittel: bewusst langsam atmen oder laut sprechen – wer spricht, atmet automatisch langsamer.
Kohlenmonoxid: unsichtbar und geruchlos
Kohlenmonoxid (CO) ist farb-, geruch- und geschmacklos. Es bindet sich über 200-mal stärker an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) als Sauerstoff, blockiert so den Sauerstofftransport und wird nur langsam wieder abgebaut. Häufigste Quelle ist eine undichte Abgasanlage: Die Kabinenheizung erwärmt Luft am Auspuff, und durch einen Riss gelangen Abgase in die Kabine. Kopfschmerz, Übelkeit und Müdigkeit bei laufender Heizung sind ein Alarmsignal: Heizung aus, Frischluft rein, wenn vorhanden Sauerstoff nehmen und so bald wie möglich landen.
| Merkmal | Hypoxie | Hyperventilation | CO-Vergiftung |
|---|---|---|---|
| Ursache | zu geringer Sauerstoffpartialdruck | zu viel CO₂ abgeatmet | CO blockiert das Hämoglobin |
| Typische Situation | große Höhe | Stress, Angst – in jeder Höhe | Heizung an, undichter Auspuff |
| Gegenmaßnahme | Sauerstoff, sinken | langsam atmen, laut sprechen | Heizung aus, Frischluft, landen |
Das Wichtigste
- Der Sauerstoffanteil der Luft bleibt mit ca. 21 % konstant; mit der Höhe sinkt aber der Sauerstoffpartialdruck.
- Hypoxie (Sauerstoffmangel) beginnt schleichend: Euphorie, Selbstüberschätzung, Konzentrations- und Urteilsschwäche, Kopfschmerz, Blaufärbung von Lippen und Fingernägeln.
- Das Nachtsehen verschlechtert sich schon ab etwa 5000 ft.
- Part-NCO: Zusatzsauerstoff bei einer Kabinendruckhöhe über 10 000 ft für mehr als 30 Minuten und immer über 13 000 ft.
- Hyperventilation (zu schnelles, tiefes Atmen, oft durch Stress oder Angst): zu viel CO₂ wird abgeatmet → Kribbeln, Schwindel, Muskelverkrampfungen. Gegenmittel: bewusst langsam atmen, laut sprechen.
- Kohlenmonoxid (CO) ist farb-, geruch- und geschmacklos und bindet sich über 200-mal stärker an das Hämoglobin als Sauerstoff. Häufigste Quelle: undichte Abgasanlage über die Kabinenheizung.
- Bei CO-Verdacht: Heizung aus, Frischluft, ggf. Sauerstoff, so bald wie möglich landen.
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