PPL Theorie
Menschliches Leistungsvermögen

Stress, Entscheidungen & Threat and Error Management

Lektion 5 von 5, etwa 3 Minuten

Die meisten Unfälle in der Allgemeinen Luftfahrt haben keine technische, sondern eine menschliche Ursache: eine Fehlentscheidung, Überlastung, Stress oder eine riskante Einstellung. Die gute Nachricht: Dagegen gibt es Werkzeuge, die du schon in der Ausbildung üben kannst.

Stress und Leistung

Die Yerkes-Dodson-Kurve hat die Form eines umgekehrten U: Bei Langeweile und Unterforderung lässt die Aufmerksamkeit nach, bei zu viel Stress häufen sich Fehler. Am leistungsfähigsten bist du bei mittlerem Erregungsniveau. Unter starkem Stress verengt sich die Aufmerksamkeit (Tunnelblick): Man starrt auf ein Problem und übersieht anderes, Routineabläufe und Funk leiden.

Auch das Gedächtnis hat Grenzen. Das Kurzzeitgedächtnis fasst nur etwa 7 ± 2 Informationseinheiten und vergisst schnell. Eine Freigabe mit Transpondercode, Höhe und Frequenz füllt es fast aus – deshalb Freigaben immer mitschreiben.

Entscheiden mit System: FORDEC

  • Facts: Was ist los? Fakten sammeln.
  • Options: Welche Möglichkeiten habe ich?
  • Risks & Benefits: Was spricht für und gegen jede Option?
  • Decision: entscheiden.
  • Execution: umsetzen.
  • Check: Wirkt die Entscheidung, gibt es neue Fakten?

Threat and Error Management

TEM unterscheidet drei Stufen. Das Ziel: Bedrohungen früh erkennen, Fehler abfangen, bevor ein unerwünschter Flugzustand entsteht, und einen solchen Zustand sofort korrigieren.

BegriffBedeutungBeispiel
Threat (Bedrohung)Umstand außerhalb des Einflusses der Besatzungaufziehende Schauer, anderer Verkehr, technischer Defekt
Error (Fehler)Handlung oder Unterlassung der Besatzungvergessene Vergaservorwärmung, falsch eingestellte Frequenz
Undesired Aircraft Stateunerwünschter Flugzustandzu geringe Fahrt im Endanflug, falsche Höhe

Gefährliche Einstellungen

Einstellungtypischer GedankeGegengedanke
Anti-Autorität„Die Regeln gelten nicht für mich.“„Regeln haben meist einen guten Grund.“
Impulsivität„Schnell, irgendetwas tun!“„Nicht so schnell – erst denken.“
Unverwundbarkeit„Mir passiert das nicht.“„Es kann auch mir passieren.“
Macho-Denken„Ich schaff das, ich zeig's euch.“„Unnötige Risiken einzugehen ist dumm.“
Resignation„Ich kann ohnehin nichts ändern.“„Ich bin nicht hilflos, ich kann etwas tun.“

Besonders verbreitet ist die Get-home-itis (Plan Continuation Bias): der Drang, den geplanten Flug trotz Warnzeichen fortzusetzen, weil man nach Hause will oder Termine hat. Unter Zeitdruck bewertet man Warnzeichen zu optimistisch. Schutz: in Ruhe am Boden feste persönliche Minima und Umkehrkriterien festlegen und eine Alternative wie Übernachtung oder Bahn gleich mit einplanen.

Das Wichtigste

  • Yerkes-Dodson: Bei mittlerem Erregungsniveau ist die Leistung am besten; Unter- und Überforderung verschlechtern sie.
  • Unter starkem Stress verengt sich die Aufmerksamkeit (Tunnelblick); Routineabläufe und Kommunikation leiden.
  • Das Kurzzeitgedächtnis fasst nur etwa 7 ± 2 Informationseinheiten – Freigaben deshalb mitschreiben.
  • Entscheidungsmodell FORDEC: Facts, Options, Risks & Benefits, Decision, Execution, Check.
  • TEM: Threats (Bedrohungen außerhalb des Einflusses der Besatzung, z. B. Wetter, Verkehr, Technik), Errors (Fehler der Besatzung), Undesired Aircraft States (unerwünschte Flugzustände).
  • Gefährliche Einstellungen: Anti-Autorität, Impulsivität, Unverwundbarkeit, Macho-Denken, Resignation – jeweils mit einem bewussten Gegengedanken entschärfen.
  • „Get-home-itis“ (Plan Continuation Bias): der Drang, den geplanten Flug trotz Warnzeichen fortzusetzen. Schutz: vorher feste persönliche Minima festlegen.

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