PPL Theorie
Allgemeine Luftfahrzeugkunde

Kreiselinstrumente und Magnetkompass

Lektion 5 von 5, etwa 4 Minuten

Fällt der Kurskreisel aus, bleibt dir der Magnetkompass. Wer dann nach Kompass auf Nord ausleitet, wartet oft zu lange und dreht über den Kurs hinaus. Kreiselinstrumente und Kompass haben jeweils eigene, feste Fehlerbilder. Kennst du sie, nutzt du jedes Instrument richtig.

Was ein Kreisel kann

Ein schnell drehender Rotor hat zwei Eigenschaften. Steifigkeit: Er behält seine Ausrichtung im Raum bei, egal wie sich das Flugzeug um ihn herum bewegt – darauf beruhen Fluglageanzeiger und Kurskreisel. Präzession: Wirkt eine Kraft auf den Kreisel, zeigt sich ihre Wirkung um 90° in Drehrichtung versetzt – damit misst der Wendezeiger die Drehgeschwindigkeit.

InstrumentZeigtAntrieb (häufig)
Fluglageanzeiger (künstlicher Horizont)Querneigung und LängsneigungUnterdruck (Vakuumpumpe)
KurskreiselSteuerkursUnterdruck (Vakuumpumpe)
WendezeigerDrehgeschwindigkeit um die Hochachseelektrisch

Die unterschiedlichen Antriebe sind Absicht: Fällt die Vakuumpumpe oder die Elektrik aus, bleibt noch ein Kreiselinstrument übrig.

Kurskreisel und Standardkurve

Der Kurskreisel ist viel ruhiger abzulesen als der Kompass, hat aber keinen eigenen Nordbezug. Lagerreibung und die Erddrehung lassen ihn langsam abwandern. Deshalb gleichst du ihn etwa alle 15 min mit dem Magnetkompass ab – und zwar im ruhigen, unbeschleunigten Geradeausflug, weil der Kompass nur dann richtig anzeigt.

Eine Standardkurve (Rate One) dreht mit 3° pro Sekunde. Ein Vollkreis dauert also 2 min, eine 90°-Kurve 30 s. Der Wendezeiger hat dafür eine eigene Markierung.

Die Fehler des Magnetkompasses

Neben der Deviation durch Störfelder im Flugzeug hat der Kompass zwei Fehler, die beide von der Inklination herrühren: Die Feldlinien verlaufen nicht waagerecht, sondern neigen sich in unseren Breiten steil zum Boden. Die Kompassrose ist pendelnd aufgehängt, um das auszugleichen. Wird sie durch Beschleunigung oder Kurvenflug ausgelenkt, zieht der senkrechte Anteil des Magnetfelds sie zur Seite. Beide Fehler sind in hohen Breiten am stärksten.

FehlerTritt aufWirkung auf der Nordhalbkugel
Beschleunigungsfehlerauf Ost- und WestkursenBeschleunigen: scheinbare Drehung nach Norden; Verzögern: nach Süden
Drehfehlerbei Kurven auf Nord- und Südkurseauf Nord früher ausleiten (Kompass hinkt nach), auf Süd später (Kompass eilt vor)

Das Wichtigste

  • Kreiseleigenschaften: Steifigkeit (Richtungsstabilität im Raum) und Präzession (eine einwirkende Kraft wirkt um 90° in Drehrichtung versetzt).
  • Fluglageanzeiger und Kurskreisel werden häufig per Unterdruck (Vakuumpumpe) angetrieben, der Wendezeiger meist elektrisch – so bleibt bei Ausfall einer Energiequelle ein Kreiselinstrument verfügbar.
  • Der Kurskreisel hat keinen eigenen Nordbezug und driftet (Lagerreibung, Erddrehung) – etwa alle 15 min im ruhigen Geradeausflug mit dem Magnetkompass abgleichen.
  • Standardkurve (Rate One): 3°/s, Vollkreis in 2 min.
  • Kompassfehler: Deviation sowie Beschleunigungs- und Drehfehler. Ursache der beiden letzten ist die Inklination (Neigung der Feldlinien); sie wirken in hohen Breiten am stärksten.
  • Beschleunigungsfehler (Nordhalbkugel, auf Ost- und Westkursen): beim Beschleunigen zeigt der Kompass eine Drehung nach Norden, beim Verzögern nach Süden.
  • Drehfehler (Nordhalbkugel): auf Nordkurs früher ausleiten, als der Kompass anzeigt, auf Südkurs später (engl. Merkhilfe „UNOS: undershoot north, overshoot south“).

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