Überziehen & Trudeln
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Kontrollverlust nach einem Strömungsabriss in geringer Höhe gehört zu den häufigsten Ursachen tödlicher Unfälle in der Allgemeinen Luftfahrt. Er passiert selten beim Üben in sicherer Höhe, sondern in der Kurve zum Endanflug, beim Durchstarten oder kurz nach dem Start – dort, wo man abgelenkt ist und keine Höhe zum Ausleiten hat.
Der Anstellwinkel entscheidet
Jedes Profil hat einen kritischen Anstellwinkel. Bis dorthin folgt die Luft der gewölbten Oberseite, darüber löst sie sich ab: Der Auftrieb bricht ein, der Widerstand steigt stark. Das passiert immer beim Überschreiten dieses Winkels – bei jeder Geschwindigkeit, in jeder Fluglage und bei jedem Lastvielfachen.
Die Überziehgeschwindigkeit im Flughandbuch gilt nur für den unbeschleunigten Geradeausflug bei einer bestimmten Masse und Konfiguration. Ziehst du ruckartig, etwa beim Abfangen aus einem Sinkflug, kann die Strömung auch bei deutlich höherer Fahrt abreißen.
| Faktor | Überziehgeschwindigkeit |
|---|---|
| höhere Masse | steigt |
| höheres Lastvielfaches (Kurve, Abfangen) | steigt |
| vorderer Schwerpunkt | steigt |
| Eis oder Schmutz auf dem Flügel | steigt |
| ausgefahrene Landeklappen | sinkt |
Anzeichen und Ausleiten
Ein Strömungsabriss kündigt sich an: Überziehwarnung, Schütteln (Buffeting), weiche und wenig wirksame Ruder, große Längsneigung bei geringer Fahrt. So leitest du aus:
- Anstellwinkel verringern – Höhenruder nachlassen. Das ist immer der erste Schritt.
- Flügel mit dem Seitenruder gerade halten. Ein großer Querruderausschlag würde den Anstellwinkel an dem Flügel, dessen Querruder nach unten geht, weiter erhöhen.
- Leistung setzen.
- Behutsam abfangen, ohne erneut zu überziehen.
Viele Flügel sind geschränkt: Außen ist der Einstellwinkel etwas kleiner als innen. So reißt die Strömung zuerst an der Flügelwurzel ab, und die Querruder außen bleiben wirksam.
Trudeln und Steilspirale
Überziehst du und das Flugzeug giert dabei, reißt ein Flügel stärker ab als der andere. Er sinkt, bekommt dadurch einen noch größeren Anstellwinkel und noch weniger Auftrieb – das Flugzeug dreht sich selbsttätig in einer steilen Abwärtsbewegung (Autorotation). Das ist das Trudeln.
| Merkmal | Trudeln | Steilspirale |
|---|---|---|
| Strömung | abgerissen | liegt an |
| Fahrt | niedrig, etwa konstant | steigt schnell |
| Ausleiten | Verfahren siehe unten | Leistung reduzieren, Flügel mit Querruder gerade legen, behutsam abfangen |
Standard-Ausleitverfahren beim Trudeln, sofern das Flughandbuch nichts anderes vorschreibt: Leerlauf, Querruder neutral, Seitenruder voll gegen die Drehrichtung, Höhenruder nachlassen. Hört die Drehung auf, Seitenruder neutral und behutsam abfangen. Ein hinterer Schwerpunkt kann das Ausleiten erschweren.
Das Wichtigste
- Die Strömung reißt immer beim Überschreiten des kritischen Anstellwinkels ab – bei jeder Geschwindigkeit, Fluglage und jedem Lastvielfachen.
- Die Überziehgeschwindigkeit steigt mit Masse, Lastvielfachem (Kurve, Abfangen), vorderem Schwerpunkt sowie Eis oder Schmutz auf dem Flügel; ausgefahrene Klappen senken sie.
- Anzeichen: Überziehwarnung, Schütteln (Buffeting), weiche, wenig wirksame Ruder, große Längsneigung bei geringer Fahrt.
- Ausleiten: Anstellwinkel verringern (Höhenruder nachlassen), Flügel mit dem Seitenruder gerade halten, Leistung setzen, dann behutsam abfangen.
- Schränkung des Flügels sorgt dafür, dass die Strömung zuerst an der Flügelwurzel abreißt und die Querruder außen wirksam bleiben.
- Trudeln: Autorotation mit überzogenen Flügeln, Fahrt niedrig und etwa konstant. Steilspirale: Strömung liegt an, Fahrt und Lastvielfaches steigen schnell.
- Standard-Ausleitverfahren Trudeln (sofern das Flughandbuch nichts anderes vorschreibt): Leerlauf, Querruder neutral, Seitenruder voll gegen die Drehrichtung, Höhenruder nachlassen; nach Ende der Drehung Seitenruder neutral und abfangen.
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