Kurvenflug & Lastvielfaches
Lektion 4 von 5, etwa 4 Minuten
In einer Steilkurve drückt es dich spürbar in den Sitz. Was du spürst, belastet auch Flügel und Struktur – und es erhöht die Überziehgeschwindigkeit. Genau das macht die Kurve vom Queranflug in den Endanflug gefährlich, wenn sie zu eng und zu langsam geflogen wird.
Warum der Auftrieb in der Kurve steigen muss
Legst du das Flugzeug in Schräglage, kippt der Auftrieb mit den Flügeln zur Seite. Ein Teil zieht das Flugzeug in die Kurve, nur der Rest wirkt nach oben und trägt das Gewicht. Damit du die Höhe hältst, muss der Gesamtauftrieb größer werden: Du ziehst am Höhenruder und vergrößerst den Anstellwinkel.
Das Verhältnis von Auftrieb zu Gewicht heißt Lastvielfaches n. In der koordinierten Horizontalkurve gilt n = 1 / cos(Querneigung). Um diesen Faktor steigt die Last auf Flügel und Struktur, und du spürst sie als scheinbar höheres Körpergewicht.
| Querneigung | Lastvielfaches n | Überziehgeschwindigkeit steigt um |
|---|---|---|
| 0° | 1,0 | 0 % |
| 30° | 1,15 | ca. 7 % |
| 45° | 1,41 | ca. 19 % |
| 60° | 2,0 | ca. 41 % |
Überziehgeschwindigkeit in der Kurve
Die Strömung reißt beim selben kritischen Anstellwinkel ab wie im Geradeausflug. Weil aber mehr Auftrieb nötig ist, wird dieser Anstellwinkel schon bei höherer Fahrt erreicht. Da der Auftrieb mit v² wächst, steigt die Überziehgeschwindigkeit mit der Wurzel des Lastvielfachen: vS(Kurve) = vS × √n.
Belastungsgrenzen und Manövergeschwindigkeit
Wie viel Last die Zelle aushalten muss, hängt von der Zulassungskategorie nach CS-23 ab:
| Kategorie | Grenzlastvielfache |
|---|---|
| Normal | +3,8 / –1,52 |
| Utility | +4,4 / –1,76 |
| Kunstflug (Acrobatic) | +6,0 / –3,0 |
Bis zur Manövergeschwindigkeit vA kann ein einzelnes Ruder voll ausgeschlagen werden, ohne die Struktur zu überlasten, weil die Strömung abreißt, bevor das Grenzlastvielfache erreicht ist. Ist das Flugzeug leichter, erzeugt derselbe maximale Auftrieb ein höheres Lastvielfaches. Damit die Strömung trotzdem rechtzeitig abreißt, muss die Geschwindigkeit niedriger sein: vA sinkt mit abnehmender Masse.
Radius, Drehrate und Koordination
Bei gleicher Geschwindigkeit gilt: mehr Querneigung → kleinerer Radius und höhere Drehrate. Bei gleicher Querneigung gilt: mehr Geschwindigkeit → größerer Radius und kleinere Drehrate. Geflogen wird koordiniert, die Kugel der Libelle bleibt in der Mitte. Wandert sie aus, trittst du auf der Seite der Kugel ins Seitenruder („Tritt in die Kugel“).
Das Wichtigste
- Lastvielfaches n = Auftrieb : Gewicht; in der koordinierten Horizontalkurve gilt n = 1 / cos(Querneigung).
- Querneigung 30° → n ≈ 1,15; 45° → n ≈ 1,41; 60° → n = 2.
- Die Überziehgeschwindigkeit steigt mit der Wurzel des Lastvielfachen: vS(Kurve) = vS × √n – bei 60° um rund 41 %.
- Grenzlastvielfache nach CS-23: Normalkategorie +3,8 / –1,52; Utility +4,4 / –1,76; Kunstflug +6,0 / –3,0.
- Manövergeschwindigkeit vA: Bis zu ihr kann ein einzelnes Ruder voll ausgeschlagen werden, ohne die Struktur zu überlasten – die Strömung reißt vorher ab. vA sinkt mit abnehmender Masse.
- Bei gleicher Geschwindigkeit: mehr Querneigung → kleinerer Radius, höhere Drehrate. Bei gleicher Querneigung: höhere Geschwindigkeit → größerer Radius, kleinere Drehrate.
- Koordiniert fliegen: Kugel der Libelle in der Mitte halten („Tritt in die Kugel“).
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