Start- und Landestrecken
Lektion 2 von 5, etwa 5 Minuten
Ein heißer Sommertag, eine 600 m lange Graspiste, zwei Personen an Bord und volle Tanks. Das Flughandbuch nennt für diese Masse und Temperatur eine Startstrecke von 450 m auf trockener, befestigter Piste – reicht das? Die Werte im Handbuch gelten nur für die dort genannten Bedingungen. Wer weiß, was die Strecken verlängert, und mit Zuschlägen plant, vermeidet einen der häufigsten Unfalltypen der allgemeinen Luftfahrt.
Was die Strecken im Handbuch bedeuten
- Startrollstrecke: vom Beginn des Startlaufs bis zum Abheben.
- Startstrecke: vom Beginn des Startlaufs bis 15 m (50 ft) über der Piste.
- Landestrecke: aus 15 m (50 ft) Höhe über der Piste bis zum Stillstand.
- TORA und LDA: die am Flugplatz verfügbare Startlaufstrecke bzw. Landestrecke. Die benötigten Strecken samt Sicherheitszuschlag müssen kleiner sein.
Dichtehöhe: wie hoch sich der Platz anfühlt
Warme, hoch gelegene oder feuchte Luft ist weniger dicht. Der Motor saugt weniger Luftmasse an und leistet weniger, der Propeller erzeugt weniger Schub, und der Flügel braucht eine höhere wahre Geschwindigkeit für denselben Auftrieb. Alles zusammen verlängert Start und Landung. Die Dichtehöhe fasst das in einer Zahl zusammen: Sie ist die Höhe in der Standardatmosphäre (ISA), in der die Luft so dicht wäre wie bei dir am Platz.
Die ISA geht in MSL von 15 °C und 1013,25 hPa aus, die Temperatur nimmt um etwa 2 °C pro 1000 ft ab. Zwei Faustformeln: Druckhöhe ≈ Platzhöhe + (1013 − QNH) × 30 ft. Dichtehöhe ≈ Druckhöhe + 120 ft je °C über der ISA-Temperatur in dieser Höhe.
Wind, Piste und Oberfläche
Gegenwind verkürzt beide Strecken, weil du für dieselbe Fahrt durch die Luft weniger Geschwindigkeit über Grund brauchst. Rückenwind verlängert sie deutlich. Für die Pistenkomponenten nimmst du den missweisenden Wind von Turm oder ATIS: Seitenwind = Wind × sin(Windwinkel), Gegenwind = Wind × cos(Windwinkel). Beispiel: Piste 27, Wind 300°/16 kt, Windwinkel 30° → Seitenwind 8 kt, Gegenwind ≈ 14 kt. Eine Steigung in Startrichtung, nasses oder hohes Gras und weicher Boden verlängern den Startlauf zusätzlich.
| Einfluss auf die Startstrecke | Faustwert (UK CAA) |
|---|---|
| 10 % mehr Masse | +20 % (× 1,2) |
| trockenes Gras | +20 % (× 1,2) |
| nasses Gras | +30 % (× 1,3) |
| 2 % Steigung bergauf | +10 % (× 1,1) |
| empfohlener Sicherheitsfaktor | Start × 1,33, Landung × 1,43 |
Diese Faustwerte der britischen Luftfahrtbehörde (Safety Sense Leaflet 7) gelten, wenn das Flughandbuch keine eigenen Korrekturen nennt. Mehrere Faktoren werden multipliziert, der Sicherheitsfaktor kommt zuletzt. Für die Situation vom Anfang: 450 m × 1,2 (trockenes Gras) × 1,33 ≈ 718 m. Das ist mehr als die 600 m Piste – so startest du nicht.
Das Wichtigste
- Startstrecke (Flughandbuch): vom Beginn des Startlaufs bis 15 m (50 ft) über der Piste. Landestrecke: aus 15 m (50 ft) Höhe bis zum Stillstand.
- Verlängernd: hohe Dichtehöhe (hoch, heiß, feucht), hohe Masse, Rückenwind, Steigung in Startrichtung, nasses oder hohes Gras, weicher Boden. Verkürzend: Gegenwind.
- ISA: 15 °C und 1013,25 hPa in MSL; Temperaturabnahme ca. 2 °C pro 1000 ft.
- Druckhöhe ≈ Platzhöhe + (1013 − QNH) × 30 ft; Dichtehöhe ≈ Druckhöhe + 120 ft je °C über der ISA-Temperatur.
- Seitenwind = Wind × sin(Windwinkel), Gegenwind = Wind × cos(Windwinkel).
- TORA = verfügbare Startlaufstrecke, LDA = verfügbare Landestrecke – sie müssen größer sein als die benötigten Strecken einschließlich Sicherheitszuschlag.
- Faustwerte (UK CAA, Safety Sense Leaflet 7): 10 % mehr Masse ≈ 20 % mehr Startstrecke; trockenes Gras ≈ +20 %, nasses Gras ≈ +30 %; empfohlener Sicherheitsfaktor Start 1,33, Landung 1,43.
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